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Not – Notstand – Anlagenotstand

16.08.2018 - Rund um die Bankenwelt

Von Berufes wegen, aber auch grundsätzlich aus Faszination an wirtschaftlichen Zusammenhängen, beschäftige ich mich fast tagtäglich mit der Welt der Finanzen. Seit geraumer Zeit – konkret seit 2015 – begegnet mir dabei ab und zu der Begriff „Anlagenotstand“. Dieser Ausdruck erschreckt mich. Und ich versuche, ihn zu ergründen.

Notstand ist etwas Dramatisches

Im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, Krieg, Aufruhr oder extrem unüberschaubaren Lagen kann der Notstand oder Ausnahmezustand ausgerufen werden, so Wikipedia. Vermehrt lese ich Notstand nun in Zusammenhang mit Anlagen. Ist das gerechtfertigt oder nur ein kommunikatives Mittel einer Branche, um Aufmerksamkeit zu erhalten?

Oder beschreibt die Welt der Finanzen eine dramatische Situation zurecht in so pathetischer Art? Sind Anlagen denn überhaupt etwas so Wichtiges, dass sie sich mit solchem Kriegsgedonner verteidigen müssen? Ich denke schon. Denn um Geld, Gut und Vermögen haben die Menschen seit jeher gerungen und nicht zuletzt deswegen Kriege geführt. Auch der Blick durch die Brille der Ökonomie bestätigt die Bedeutung: Arbeit, Boden und Kapital werden als DIE Produktionsfaktoren gemeinhin bezeichnet.

Zu wenig oder zu viel Kapital?

Wird denn der Notstand wegen zu wenig Kapital ausgerufen? Das ist natürlich eine rhetorische Frage, denn Kapital gibt es definitiv genug. Insbesondere mit Blick auf die weltweiten, extremen Geldmengenzunahmen seit der Finanzkrise 2008.

Machen sich die Finanzbranche und die Anleger also Sorgen, weil es zu viel Geld oder Kapital gibt? Zu viel Kapital hätte ja logischerweise zur Folge, dass ein Ungleichgewicht der drei Produktionsfaktoren besteht. Dies müsste sich allerdings wieder korrigieren: In der Vergangenheit erfolgte eine Korrektur in Form von Inflation. Das heisst, das Geld oder eben das Kapital verliert an Wert bzw. an Kaufkraft.

Viel Geld und tiefe Zinsen

Der Notstand greift weiter: Verschiedene Notenbanken haben vor zehn Jahren ein hoffentlich einmaliges „geldpolitisches Experiment" gestartet. Dabei kamen Unmengen von Geld in Umlauf und gleichzeitig wurde das Zinsniveau extrem tief gehalten.

Das Besondere bei diesem Vorgehen ist diese Kombination aus viel Geld und tiefen Zinsen. Zwar scheint es logisch, dass die Verzinsung des Kapitals zumindest kurzfristig sinkt, wenn zu viel Kapital im Umlauf ist. Das Tüpfchen auf dem i ist jedoch, dass Anleger teils gar Negativzinsen entrichten müssen, um Kapital anzulegen.

Anlagenotstand: Wenn die Anlagewelt Kopf steht

Der Begriff „Anlagenotstand“ ist darum wohl nicht so falsch gewählt. Er beschreibt die Situation und auch die Folgen der ungewöhnlichen Lage gut. Traditionelle Anlagen wie Spar- oder Obligationenanlagen rentieren nicht oder eben sogar negativ. Deshalb ist die Nachfrage nach anderen Anlagemöglichkeiten gross.

Das hat wiederum zur Folge, dass deren Preisniveau teilweise enorm gestiegen ist. Im Zentrum stehen Mehrfamilienhäuser und Aktien. Aber auch verschiedenste Formen von strukturierten, meistens wenig verständlichen Finanzprodukten sowie Neuerfindungen wie Kryptowährungen erreichen hohe Preise.

Und sie alle versprechen hohe Renditen.

Wann herrscht wieder Normalzustand?

Zwei Fragen bleiben: Wie geht es weiter? Was kann noch geschehen? Die beschriebene Entwicklung wird so schnell wohl nicht abflauen. Es sei denn mit einem gewaltigen Knall, den wir uns besser nicht wünschen.

Eine ideale Entwicklung wäre ein über Jahre andauernder leichter Zinsanstieg mit gleichzeitigem Verschwinden der Negativzinsen. Trotz dieses wünschenswerten, homöopathisch klingenden Szenarios werden sich aber vorhandene Missbildungen, also Überbewertungen, korrigieren müssen. Sachwertanlagen wie Aktien und Immobilien könnten dabei an Wert verlieren. Hingegen dürfte die Nachfrage nach Nominalwertanlagen, das sind Konten-, Geldmarkt- und Obligationenanlagen, wieder zunehmen.

So könnte die Aufhebung des „Anlagenotstandes“ hin zum Normalzustand funktionieren. Vorausgesetzt, die Zeit oder andere, z. B. geopolitische Einflussfaktoren, machen uns nicht einen Strich durch die Rechnung.

 

Finanzberatung und damit auch Anlageberatung gehören zum Angebot der Bernerland Bank. Damit wir professionell beraten können, sind unter anderem Kenntnisse des Marktgeschehens wichtig und notwendig. Deshalb beobachten unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater zusammen mit unseren Geschäftspartnern die Marktentwicklungen sehr genau. Die Erkenntnisse daraus fliessen in die Erarbeitung persönlich passender Strategien für unsere Kunden ein.

 

Peter Ritter
Geschäftsführer Bernerland Bank



Not – Notstand – Anlagenotstand

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